Montag, 16 Februar 2026 16:35

Mehr Schutz nach tödlichem Angriff

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Sicherheitsgipfel in Berlin nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter im Regionalexpress. Sicherheitsgipfel in Berlin nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter im Regionalexpress. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Der gewaltsame Tod eines 36-jährigen Zugbegleiters in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz Anfang Februar hat bundesweit Reaktionen ausgelöst. Die Tat führte zu einem Sicherheitsgipfel in Berlin. Dort berieten Vertreter von Politik, Bahn und Gewerkschaften über konkrete Schritte. Ziel ist ein gemeinsamer Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene. Weitere Informationen stellt die Deutsche Bahn auf ihrer offiziellen Website bereit unter deutschebahn.com.

Inhaltsverzeichnis

In Berlin trafen sich DB-Chefin Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder mit Arbeitnehmervertretern und der Verkehrsbranche. Auch Forderungen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft flossen ein. Die Erwartungen waren hoch. Ergebnisse liegen nun vor. Im Kontext früherer sicherheitsrelevanter Entscheidungen an Bahnhöfen, etwa beim Waffenverbot an Berliner Bahnhöfen, wird die aktuelle Debatte zusätzlich eingeordnet.

Bodycams bei Deutsche Bahn

Noch im Jahr 2025 sollen Mitarbeitende mit Kundenkontakt im Nah- und Fernverkehr sowie an Bahnhöfen freiwillig Bodycams erhalten. Bereits heute tragen Beschäftigte im Regionalverkehr solche Geräte. Die Nutzung bleibt freiwillig.

Die EVG fordert seit Längerem einen flächendeckenden Einsatz. Sie verlangt Bild- und Tonaufnahmen. Damit sollen auch verbale Übergriffe dokumentiert werden.

Zusätzlich wird der Hilferuf-Knopf „Prio-Ruf“ technisch weiterentwickelt. Er ermöglicht eine unauffällige Alarmierung der Leitstelle. Diese informiert Polizei oder Rettungskräfte. Auch die persönliche Schutzausrüstung wird überprüft und angepasst. Über strukturelle Änderungen im Bahnverkehr wurde bereits im Zusammenhang mit dem neuen Bahnfahrplan berichtet.

  • Freiwillige Bodycams mit Bildfunktion
  • Diskussion über Tonaufzeichnung
  • Optimierung des Systems „Prio-Ruf“
  • Verbesserte Schutzausstattung

Patrick Schnieder und Ticketkontrollen

Bei DB Regio ändert sich ab 1. März die Praxis der Ausweiskontrolle. Die generelle Pflicht zur Vorlage eines Ausweises bei der Fahrkartenkontrolle entfällt. Laut Palla besteht hier ein hohes Eskalationspotenzial. Künftig entscheidet das Zugpersonal im Einzelfall. Das Prinzip lautet Eigensicherung vor Prüfung.

Alexander Schweitzer fordert ein optisch einheitliches Deutschlandticket mit Lichtbild. Damit soll Missbrauch erschwert werden.

Verkehrsminister Schnieder kündigte zudem an, sich für verstärkte Zweierteams bei Kontrollen einzusetzen. Im Beschlusstext ist von mehr Personal die Rede. Eine konkrete Doppelbesetzung soll Ende März auf der Verkehrsministerkonferenz beraten werden. Dort steht auch die Fälschungssicherheit des Deutschlandtickets auf der Agenda.

Karl-Peter Naumann und zusätzliche Sicherheitskräfte

Künftig sollen 200 zusätzliche Sicherheitskräfte der DB Sicherheit auf Bahnhöfen eingesetzt werden. Diese Forderung hatte unter anderem Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, erhoben. Er betonte die Notwendigkeit öffentlich finanzierter und gut ausgebildeter Kräfte.

Die Sicherheitspräsenz soll sichtbar sein. Gelbe Westen gehören bereits vielerorts zum Alltag. Sie beantworten Fragen und nehmen Hinweise auf ungewöhnliches Verhalten entgegen. Dieses Konzept gilt auch für Züge.

Gemeinsam mit der Bundespolizei entstehen regionale Sicherheitswerkstätten. Dort werden Konzepte an lokale Bedingungen angepasst. Die Gewerkschaft der Polizei fordert zusätzlich mehr Personal. Nach Angaben von Andreas Roßkopf fehlen der Bundespolizei rund 3500 Kräfte an Bahnhöfen und Haltepunkten. Zur Einordnung weiterer sicherheitsrelevanter Entwicklungen in der Hauptstadt mehr hier.

Bahnhof Berlin Südkreuz und Videoüberwachung

Der Ausbau der Videoüberwachung wird geprüft. Zudem soll Künstliche Intelligenz zur Auswertung eingesetzt werden. Ziel ist es, auffälliges Verhalten früher zu erkennen. Rechtliche Grundlagen sollen angepasst werden.

Ein Beispiel ist der Bahnhof Berlin Südkreuz. Dort wird seit Längerem KI-gestützte Überwachung getestet. Laut Roßkopf kann die Technik inzwischen auffällige Bewegungsmuster identifizieren.

JahrStraftaten gesamtGewaltdelikte gesamtGewalt gegen BundespolizeiGewalt gegen DB-Beschäftigte
2024 53.297 27.150 5532 2412
2025 55.025 27.818 5615 2689

Im Jahr 2025 wurden 55.025 Straftaten im Bahnbereich registriert. Davon entfielen 27.818 auf Gewaltdelikte. 5615 Fälle richteten sich gegen Bundespolizisten. 2689 betrafen Beschäftigte der Deutschen Bahn.

Die Maßnahmen sollen Personal schützen und Eskalationen reduzieren. Entscheidungen zur Umsetzung fallen schrittweise im Jahr 2025.

FAQ

Was ist der Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene?

Der Aktionsplan ist ein Maßnahmenpaket von Deutscher Bahn, Bundesverkehrsministerium und Arbeitnehmervertretern, das nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter vorgestellt wurde. Er umfasst technische, personelle und organisatorische Schritte zur Verbesserung der Sicherheit.

Ab wann werden Bodycams für Mitarbeitende eingeführt?

Noch im Jahr 2025 sollen Mitarbeitende mit Kundenkontakt im Nah- und Fernverkehr sowie an Bahnhöfen freiwillig mit Bodycams ausgestattet werden. Die Nutzung bleibt ausdrücklich freiwillig.

Was ändert sich bei Ticketkontrollen ab dem 1. März?

Bei DB Regio entfällt ab dem 1. März die generelle Pflicht zur Ausweiskontrolle bei der Fahrkartenprüfung. Künftig entscheidet das Zugpersonal im Einzelfall, ob ein Ausweis verlangt wird.

Wie viele zusätzliche Sicherheitskräfte sind geplant?

Die Deutsche Bahn plant den Einsatz von 200 zusätzlichen Sicherheitskräften der DB Sicherheit an Bahnhöfen. Gleichzeitig fordert die Gewerkschaft der Polizei rund 3500 zusätzliche Kräfte für die Bundespolizei.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz bei der Videoüberwachung?

Der Ausbau der Videoüberwachung soll geprüft und verstärkt mit Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Ziel ist es, auffälliges Verhalten früher zu erkennen, wie es bereits am Bahnhof Berlin Südkreuz getestet wird.

Quelle: BERLINER MORGENPOST, SN2 WORLD