Montag, 22 September 2025 15:45

Berliner Prozess gegen Palliativarzt wegen 15-fachen Mordes

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Angeklagter Palliativarzt vor Gericht in Berlin Angeklagter Palliativarzt vor Gericht in Berlin Pixabay/Foto illustrativ

Ein aufsehenerregender Prozess läuft seit Juli am Landgericht Berlin. Ein 40-jähriger Palliativmediziner muss sich wegen 15-fachen Mordes an schwerkranken Patienten verantworten. Eines der Opfer war die 72-jährige Ingeburg B., deren Tod nun im Mittelpunkt des neunten Verhandlungstages stand. Ihr Sohn Henry B. schilderte dort seine Sicht.

Inhaltsverzeichnis:

Henry B. berichtet über seine Mutter Ingeburg B.

Am 24. Juli wurde die Leiche von Ingeburg B. nach einem Brand in ihrer Wohnung in Treptow-Köpenick entdeckt. Die 72-Jährige war schwer an Krebs erkrankt. Ihr Sohn Henry B. (54) hatte sie noch am Vortag besucht und für die kommenden Wochen mit Lebensmitteln, einem Lottoschein und einer neuen Uhrbatterie versorgt.

Nach Aussage des Onkologen Karsten M. hätte eine weitere Chemotherapie keine Lebensverlängerung bedeutet. Ingeburg B. war am 17. Juli aus dem Krankenhaus entlassen worden und hatte sich auf ihr Zuhause gefreut.

Brand in der Wohnung von Ingeburg B.

Der Todesfall von Ingeburg B. ist einer von fünf Fällen, bei denen nach der mutmaßlichen Tat des Arztes Johannes M. ein Feuer in den Wohnungen der Opfer ausbrach. Laut Staatsanwaltschaft war die Seniorin bereits tot, als die Flammen entstanden. Deshalb wird dem Mediziner keine Brandstiftung vorgeworfen.

Nach den Ermittlungen soll Johannes M. am Mittag des Tattages die Wohnung betreten haben. Ihm wird vorgeworfen, ein Narkosemittel und anschließend ein Muskelrelaxans verabreicht zu haben. Die Lähmung der Atemmuskulatur habe den Tod innerhalb weniger Minuten verursacht. Handydaten deuten darauf hin, dass er am Tatort anwesend war.

Widersprüchliche Aussagen von Team und Arzt

Johannes M. erklärte gegenüber seiner Vorgesetzten, ein Hausbesuch sei nicht notwendig gewesen, er sei nur zufällig vorbeigefahren. Ein Pfleger des Teams sagte jedoch aus, dass die Patientin am Morgen noch ansprechbar war, aber über Schmerzen klagte.

Der Arzt verfolgt die Verhandlung hinter Panzerglas und hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Er wird von drei Verteidigern vertreten.

Belastung für den Sohn und weitere Ermittlungen

Henry B. erklärte, dass er seit dem Tod seiner Mutter stark leide. Er habe 50 Kilogramm Gewicht verloren und könne kaum schlafen. Seine Mutter habe noch Reisepläne mit ihrer Schwester gehabt und wollte am Ende ihres Lebens zu einer Nichte nach Wolfsburg ziehen.

Der Prozess gegen Johannes M. ist bis Ende Januar angesetzt. Parallel läuft ein zweites Verfahren. Dabei geht es um weitere 75 Vorfälle, bei denen Patienten tot aufgefunden wurden und die Staatsanwaltschaft den Anfangsverdacht gegen den Mediziner prüft.

  • 15 Mordvorwürfe im laufenden Prozess.
  • 5 Todesfälle mit anschließendem Brand.
  • 75 weitere Verdachtsfälle im zweiten Verfahren.

Der Fall Johannes M. gilt als einer der größten Medizinskandale der vergangenen Jahre in Deutschland.

Quelle: rbb24, YouTube, www.24edu.info/de